Der Kunde: State Service of Cartography and Geodesy of
Kyrgyz Republic, 107 Kievskaya Street, Bishkek 720001, Kyrgyz Republik
Es geht in Kirgistan darum, einen ersten Versuch mit dem Aufbau der amtlichen
Vermessung zu unternehmen. Die Schweiz unterstützt Kirgistan mit Know-how
und auch finanziell. Die Vermessung ist ein wichtiger Schritt in Richtung
Privatisierung der Grundstücke. Bevor jemand überhaupt ein Stück Land kaufen
kann, muss festgelegt werden, wo die Grenzen sind ...

Die Installation in Kirgistan besteht generell aus 3
TD325 und einem Raid5 Server. Der Server dient als Datenbank-, wie auch
als Applikations- und Daten-Server. Das heisst, alle Applikationen sind
auf dem Server installiert und können von allen Clients aus gestartet werden.
An je einem TD wurden der Anatech Scanner, ein HP Plotter
und ein riesen Digitalisiertisch installiert.
Montag, 18. Mai 1998
Nun alle Maschinen waren bereits ausgepackt, Plotter
und Scanner aufgebaut. Ein erstes Problem stellten jetzt eigentlich die
ziemlich wackligen Tische. Nach einigen Diskussionen konnte ich dann die
TD's doch auf den Boden stellen, die Leute hier werden noch kleine Podeste
bauen um die Maschinen darauf zu stellen. Warum ? Weil die Putzequipen ziemlich
sorglos mit Wasser und Material umgehen, sollte alles ein wenig erhöht sein.
Ein Blick auf die mit Papier abgedichteten Fenster übrigens bestärkte mich
darin, die Leute in dieser Meinung zu unterstützen. Der Server steht immer
noch auf dem Tisch, wird aber von allen mit dem nötigen Respekt behandelt.
Maschinen aufgestellt, angeschlossen, alles gebootet
und... läuft!!! Alle haben ehrlich Freude. Die System-Managerin will gleich
schon die erste Software auf den Server knallen, muss ich verbieten bis
das System abgenommen ist. Unsere Super Keyboards kommen so gut an (Eric
Clapton), dass wir keine Neuen beschaffen müssen. Der Kunde will sich mit
Klebern und Filzstiften behelfen. Neben den Keyboards kommt auch das TD
Zeichen (das zum drehen wenn man den TD senkrecht stellt) sehr gut an..
Als erstes entscheiden wir uns, doch den Server auch
als Plotserver einzusetzen. Also IPLOT Server und Driverpack auf der Workstation
entfernen und auf dem Server installieren.


Dienstag, 19. Mai 1998
Gestern machte mir der Scanner bereits Probleme, weil
immer eine Fehlermeldung beim Initialisieren, Kalibrieren auftauchte. Irgendwie
bekomme ich dieses Problem nicht in den Griff. Weiter ist das Russisch (ich
dachte es sei russisch - aber dem war nicht so) ein grosses Problem. Wir
installieren die russischen Fonts aber irgendwie werden die vom englischen
NT immer umgesetzt. Den gleichen Font sehen wir auf einem russischen Windows95
als Kyrillisch, auf unserem als normalen Font. Wie das ? Wir setzen bei
allen Systemen die Ländereinstellungen auf Russisch und siehe da, schlussendlich
sind alle Microstation Menus, auch Grical und so russisch. Die restlichen
Programme, wie auch WindowsNT aber nach wie vor auf Englisch. Auch Tastatur-Eingaben
sind auf russisch möglich. Nur werden diese von Microstation falsch dargestellt
und auch nicht richtig geplottet.
So, mittlerweile kann ich in die Schweiz telefonieren
und erreiche Alex. Übrigens gibt's genau 2 Telefone mit denen man in die
Schweiz telefonieren kann. Ich sollte aber ein Telefon beim Scanner haben,
damit mich Alex besser instruieren kann. In Windeseile wird eine grössere
Übung durchgeführt die mir ein Telefon an den Scanner organisiert und auf
dessen Nummer mir Alex telefonieren kann. Nachdem ich Alex auf dem einen
Telefon (das das hinaus telefonieren kann) die neue Nummer (die beim Scanner)
bekannt gegeben habe, brauche ich nur noch auf das Telefon zu warten - und
- es klappt. Wir haben Glück und finden den Fehler recht bald : Ein Schalter
auf der Vorderseite ist etwas kurz geraten und wurde vom verschliessenden
Gehäusedeckel nicht richtig eingedrückt. Etwas Kleber und ein wenig Karton
schaden auch einem High-Tech-Evolution-Scanner nicht. Alles klar - Scanner
läuft.
Microstation noch nicht, wir können nicht registrieren
- was ist los ? Der Donggle macht natürlich Probleme. README lesen - du
... Man muss noch eine spezielle Software laden, damit der Donggle richtig
installiert wird (Bei Geocom macht das wenigstens der Setup!!). So, jetzt
ist auch das OK. Aber die Schrift ! Wir telefonieren nach Russland. Aha,
die haben einen eigenen Font erstellt, Microstation 95 hat Probleme mit
russischen Font. Aha. Könnt ihr uns diesen Font mailen ? Ja ? - Besten Dank.

Mittwoch, 20. Mai 1998
Immer noch Probleme mit dem Digitalisiertisch. Inzwischen
ist auch die Übersetzerin da und ich finde mich im russischen Microstation
etwas besser zurecht. Irgendwie habe ich keine Verbindung auf den seriellen
Port 2. Andere Maschine angehängt um seriellen Port zu kontrollieren - geht
auch nicht. Habe ich vielleicht den falschen Treiber ? Tel. Patrik Straub;
er schickt mir sofort per Email den Bentley Wintab Treiber. Leider habe
ich einen AC41 und der Treiber geht nur bis AC40. Immer noch keine Verbindung.
Mittlerweile sind aber die russischen Fonts per Email angekommen. Natürlich
darf ich jetzt noch alle Fontnummern ändern, damit ich keine Konflikte mehr
habe. Nun bemerken wir aber, dass wir Fonts für unsere Schrift, wie auch
für Kyrillisch brauchen, ansonsten schnallt das Microstation nicht. Also
nochmals von vorne. Aber schlussendlich - es gibt eben doch kein System,
dass wir nicht zum laufen bringen - mmh, wie war das genau mit dem Digitisch...
.
Übrigens liegen alle Fonts nur genau an einem Ort auf
dem Server (D:\Templates\Fonts\...). Alle Clients mounten dieses Verzeichnis
als T:\. Alle SW inklusive Iplot Preview und Server etc. wurden so konfiguriert
und funktionieren. Dass mir da ja keiner dran rumfummelt ...

Donnerstag, 21. Mai 1998
So, alles läuft (ausser dem Digitisch, und heute ist
in der Schweiz niemand zu erreichen wie ich mit Schrecken feststelle). Wir
machen System Einführung NT, Konfiguration usw. Alles mit Übersetzerin,
die leider keine Ahnung von Informatik hat und manchmal ganz schönen Schrott
übersetzt, wie Tom und der Vizedirektor mir erklären. Einige Leute begreifen
alles recht schnell, andere sagen einfach gar nichts!!! Der Scanner bringt
alle zum staunen und ich reize dieses Thema daher ein wenig aus, vor allem
Aluplatten scannen ist cool.
Morgen ist noch Datenbank und Backup Einführung angesagt. Anschliessend
muss ich diesen Digitalisiertisch zum laufen bringen, 'ich sonst ein wenig
schwach aussehen ...'.
Freitag, 22. Mai 1998
Wir machen SQL Server Einführung, richten eine neue Datenbank
und User ein, alles klappt eigentlich gut, die Leute machen sich Notizen
und verstehen um was es geht. Anschliessend machen wir einen RIS-Unload,
'Shutdownen' den SQL-Server (hatte ich auch noch nie gemacht) und führen
ein Full-Offline-Backup durch. Alles klar?
Es ist Mittag und ich muss mich jetzt dem Digitizer Problem
annehmen. In der Schweiz ist es 08.00 Uhr und ich kann mal wieder telefonieren.
Jetzt ist aber der Chef gerade im Mittag und das 'Hinaustelefonier-Telefon'
eingeschlossen. Nach seiner Rückkehr telefoniere ich mit Christian Vogel.
Er hat die gute Idee Deutschland einzuschalten, weil in der Schweiz niemand
erreichbar ist. Das klappt auch wunderbar, er gibt Ralf Schwemlein meine
'Hineintelefonier-Nummer' und der ruft mich auch prompt an. Er verwende
immer den DIGISERV Treiber von Intergraph und hätte noch nie Probleme gehabt.
Dieser Treiber konfiguriere auch automatisch den Seriellen Port. Er schicke
mir den Treiber per E-Mail. Super - wir warten auf das E-Mail (geht eigentlich
immer sehr schnell).
Jetzt stellt sich aber plötzlich ein ganz anderes Problem.
Vladimir, der First Deputy Director und seine Truppe haben einen Snack und
Aperitif zum Abschied vorbereitet, genau in dem Zimmer, indem sich der E-Mail
Computer befindet. Ich komme nicht mehr an den Computer heran und das würde
sich auch nicht schicken - den jetzt ist Apéro Time. Also gut !
Wir essen Fisch, Käse, Salami, Gurken, Zwiebeln etc.
und trinken dazu den guten kirgisischen Brandy. Da es ein Fest zum Abschluss
ist - alles immer auf Ex. Na, ja, zum Glück bin ich einigermassen trainiert.
Genna signalisiert mir, dass das E-Mail angekommen sei, macht aber keinen
Wank um diesen auf eine Floppy zu laden - zuerst noch ein paar Brandys...
So, jetzt beschliesst Vladimir, dass es an der Zeit sei,
den Digitisch fertig zu machen und die Party zu unterbrechen. Mittlerweile
habe ich wahrscheinlich auch das Telefon von Ralf Schwemlein aus Deutschland
verpasst und er ist jetzt im Mittagessen (Zeitunterschied 4 h). Wir installieren
den DIGISERV Treiber und siehe da - GO !!!
Wir beschliessen sofort alle zusammen, die Party weiter
laufen zu lassen ... Was bedeutet - noch etwas mehr kirgisischen Cognac.
Wenn man aber auf die Ratschläge der erfahrenen Reisenden (Tom Wüthrich)
und der Einheimischen (Vladimir, Genna etc.) hört und die fetthaltigen Speisen
zum Cognac isst, so hat man eigentlich keine Probleme ...
So, die Projektinstallation ist abgeschlossen, ich habe
nur vergessen mir das bestätigen zu lassen. Ich denke aber, dass der Abschiedsapéro
etwas in der Art gewesen ist - Oder ?
René Müller
Bishkek