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KIRGISTAN - Eine Reise wert ?!!
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By René Müller |
Reisebericht
Es ist genau 06.15 Uhr und die Sonne scheint mir direkt
ins Gesicht. Vor gut einer Stunde bin ich in Kirgistan angekommen. Ich schenke
mir gerade meinen zweiten Whiskey ein (Duty-free lässt grüssen) und bin trotzdem
überhaupt nicht müde - oder nur aufgedreht ?
OK ! Beginnen wir am Anfang ....
Freitag, 15. Mai 1998
Thomas (TBO - so versteht es jeder) bringt mich zum Flughafen
Kloten. Eigentlich bin ich ja schon ziemlich in der Welt herumgekommen,
trotzdem fasziniert mich eine Reise immer wieder und lässt meinen
Adrenalin spiegel
immer wieder in angenehme Höhen steigen ...
Der Flug nach Istanbul ist recht normal - eine halbe
Stunde Verspätung und gerammelt voll mit allen möglichen Leuten (wie war doch
gleich wieder das richtige Wort - ah ja - Touristen).
Alles klar - wir boarden nach Bishkek. Wir (ich war gar
nicht allein, da waren echt noch andere Leute) laufen den Gangway hinunter
zum Flugzeug, Hey, da könnte man ja echt runterfallen, da ist ja gar kein
Flugzeug am Ende des Ganges ... - hatte ich da nicht eine Türe und Leute
auf einer Treppe gesehen ? Alles klar, wir haben den Bus gefunden. Wir fahren
zum Flugzeug - ziemlich lange übrigens (dachte vielleicht ist es nicht soweit
und wir fahren nach Bishkek) und kommen zu einem riesen Airbus. Nun, wir
paar Nasen konnten dieses Flugzeug natürlich nicht füllen, aber die
Türkisch Airline Crew war dieses Mal echt Klasse.
Super Flug! 4000 - 5000 km. (Ziemlich grosse Toleranz für einen Vermesser - oder nicht ?). In Afrika sagten die Poliere immer :
Klar vermessen sich die Vermesser immer, sonst würde es richtigerweise 'Der Messer'
heissen ....
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| Samstag, 16. Mai 1998

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Ca. 03.00 morgens landen wir in Bishkek. Jetzt schnell
ins Hotel und ab ins Bett. Ach ja, da wäre noch der Zoll und das Gepäck...
Ich wunderte mich schon, dass man einfach anstehen konnte
und mir niemand einen Immigration-Zettel oder ähnliches in die Hand
drückte.
Mein Visum war natürlich Wasserdicht und machte keine Probleme. Die gestellten
Fragen konnte ich beim besten Willen nicht verstehen - oder könnt ihr Russisch
? (Dumm stellen - schliesslich ist es mittlerweile halb vier Uhr morgens).
Wouw, schon fertig, aber wo ist das Gepäck ? Aha, doch noch ein Zettel zum
ausfüllen, dachte ich es mir doch - nur - kann man gar nicht lesen, alles nur
Russisch - aber wozu gibt's Mitreisende die sich in der gleichen Lage befinden?
So jetzt nur noch das Gepäck!
Ich wette 1:1000, dass dieses Förderband seinen letzten Dienst
während
des zweiten Weltkrieges verrichtet hat. VERLOREN! Setzt sich doch dieses
Ding tatschlich in Gang und bleibt es auch, bis auch mein Koffer ausgespuckt
wird (Stimmt, ich hatte in ja in Istanbul
identifizieren müssen und selber kontrolliert, dass er eingeladen wurde).
Ok. Jetzt nur noch die Koffer durch den Durchleuchtungskanal
- wieso schaut da kein Mensch auf die Kamera? Aha, das ist nur zum steuern
des 'Kofferflusses'. Wie bitte ? Jawohl ich habe 2000 US$ dabei, das ist
kein Schreibfehler (Klotze eben gerne...). SFR? Das sind Schweizerfranken
! Unbekannt ? Sind wie Deutsche Mark ! Ah ja - alles klar - gut - weitergehen
...! So, geschafft, ich bin draussen und da steht auch meine gute Seele
(Gena) die mich abholt.
Der Flughafen liegt ca. 30km ausserhalb der Stadt. Die
Autobahn in die Stadt ist recht gut, vergleichbar mit der A1 zwischen Rothrist
und Aarau ohne Sanierung in ca. 25 Jahren. ( Eine Höchstgeschwindigkeit von
gut 100 km/h liegt für meinen Chauffeur Gena aber ohne weiteres drin.
Kommen wir zum Hotel - und hier habe ich meine Geschichte
bald eingeholt - die Whiskeys wahrscheinlich überholt ...
Das Hotel hat genau 8 Zimmer (Suiten) und eine davon gehrt jetzt mir. Wahrscheinlich
eine alte KGB Herberge, schon etwas heruntergekommen, aber trotzdem mit
Schlafraum, Wohnzimmer, Entree, Küche und Badezimmer - Nicht übel!
Natürlich
auch Satelliten-TV und Minibar (mit Eiswürfel für meinen Canadian Club). Mittlerweile
meldet der Laptop - Low Battery. Aber siehe da, die einfachen, zweifachen
Schweizer-Stromstecker passen tipp topp.
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So, Zeit zum Schlafen...
Nun ist es Samstag Nachmittag und ich sollte mal die
Gegend etwas erkunden, Geld wechseln und etwas einkaufen, essen und so.
Das Hotel liegt genau im Zentrum und so ist es leicht die gewünschten Orte
zu finden. Leider gibt es da ein kleines Problem - alles ist nur Russisch
angeschrieben und praktisch alle Leute die ich fragte, konnten kein Englisch.
Da kann nur ein Taxifahrer helfen.
Bank, Supermarkt etc. gefunden. Beim Geld wechseln stellte
sich da nur das Problem der Menge : Die grösste Note die ich bekam waren
50 SOM, ca. 4 SFr. Und ich wechselte 300 $. Das entspricht etwa 5 cm ...
Sonntag, 17. Mai 1998
Zuerst einmal ist ausschlafen angesagt und zwar
kräftig,
da mir der Freitag/Samstag ziemlich in den Knochen..., schliesslich ist
man nicht mehr 20. Frühstück wird um 10.00 aufs Zimmer serviert. Nicht
übel!
Am Nachmittag bin ich mit einem Taxifahrer, der Englisch sprechen soll,
verabredet. Nun - Englisch, na ja, wir können uns
wenigstens einigermassen verständigen. Er fährt mich ein wenig in der Stadt
herum und zeigt mir die wichtigsten Orte.
Ich nenne Bishkek die Stadt der Bäume. Die Stadt wurde
vom gleichen Architekten, der Leningrad angelegt hat, projektiert. Super
INROADS Stadt, nur rechte Winkel. Praktische alle Strassen sind wie Alleen
angelegt, daher ist es auch schwierig eine richtige Altstadt zu finden,
oder besser, es gibt sie gar nicht. Das Hotel scheint irgendwie darin zu
liegen.
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Heute, im Verlaufe der Nacht sollte Tom Wüthrich hier
in Bishkek ankommen. Er flog eine andere Route -
und zwar über Almaty in Kasastan und anschliessend mit dem Auto hierher. Nachdem
ich allerdings die Strassen hier in der Stadt kennen gelernt habe, weiss
ich nicht ob das eine gute Idee ist.
Montag, 18. Mai 1998
Tom Wüthrich ist noch nicht da, das Flugzeug hatte ziemlich
Verspätung. So fahren wir schon mal zum State Service of Geodesy and Carthography
of Kyrghyz Republic. Welche Überraschung, die gesamte Lieferung ist bereits
hier, ausgepackt und aufgestellt. Ich fange sofort mit der Arbeit an. Dazu
aber mehr unter dem Register Projekt.
Inzwischen ist auch Tom und der Vizechef, der ihn abgeholt
hatte, eingetroffen. Am Abend werden wir vom Kunden eingeladen. Super Jagdzimmer
ganz für uns vier alleine. Natürlich wird auch mit Bier und lokalem (sehr
gutem, milden) Brandy kräftig angestossen.. Kurzer Hosenwechsel im Hotel
und ab geht's in den Ausgang. Nein Spass beiseite, noch ein paar
Bierchen, und noch ein paar, und... Wir treffen dann noch einen
Mitarbeiter vom Schweizer Konsulat - das bedeutete dann noch
Bayrische Bierhalle - richtig pervers.
Dienstag, 19. Mai 1998
Irgend etwas schmerzt noch. Ob der milde kirgisische
Brandy doch nicht so mild war ? Aber kein Problem - nichts was ein gutes
Alka Selzer nicht beheben könnte. Ich arbeite wieder
den ganzen Tag durch, da doch noch einige Probleme auftauchten und immer
wieder auftauchen. Tom und ich fuhren zum Abendessen und es ist immer wieder
ein Erlebnis hier in diesen Ländern ein Restaurant zu besuchen. Es gibt ja
eigentlich nur die zwei Extreme. Entweder total mies und unbrauchbar oder
dann protzig im alten russischen Stil. Das heisst riesen Halle mit 3 Nasen (Besucher,
Esser) darin und ca. 10 Bediensteten die total überfordert sind. Das Essen
ist sehr gut, aber mit 18.- pro Person für die Verhältnisse hier sehr teuer.
Nach einem obligatem Schlummertrunk im Consul (bei Irina) ist auch dieser
Tag erfolgreich...
Mittwoch, 20. Mai 1998
7.15 Wake-up, wie immer, 7.45 Frühstück aufs Zimmer, wie
immer, 8.15 zum State Service of Cartography and Geodesy, wie immer, malochen
den ganzen Tag ohne Mittagessen, wie immer, 18.15 Ende der Arbeit, wie immer.
Alles läuft, ausser dem sch... - Digitisch.
19.00 Ausgang mit Tom, Dinara und Irina. 02.30 schlafen.
Kein weiterer Kommentar, es sei den bei einem Bierchen, unter Freunden und
so...
Tom Wüthrich
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Donnerstag, 21. Mai 1998
Anfang siehe Mittwoch, Abends Digititizer Manual studieren.
(Natürlich nach etwas Kaviar, Wodka und anderen Nahrungsmitteln...).
Freitag, 22. Mai 1998
Tom ist heute morgen weggeflogen und ich fahre alleine
mit Gena zum Büro. Bis Mittags noch Datenbank und Backup Training, dann weiter
mit diesem Digitisch. Wie sagen wir doch immer wieder, es gibt eben doch
kein System, dass wir nicht zum laufen bekommen. Nach dem kleinen, feuchten
Snack geht's dann endlich zurück ins Hotel zum packen. Nachdem ich mich von
meinen Freunden in der Consul-Bar verabschiedet habe, geht's ins Bett (21.00).
Warum das, werdet ihr euch fragen, so was ist man sich eigentlich weniger
von mir gewohnt. Nun - mein Wecker geht genau um 2.30 Uhr am Samstag Morgen
- Ja richtig AM nicht PM.
Samstag, 23. Mai 1998
Gena fährt mich zum Flughafen und nach einigem suchen
finden wir auch das Loch zum einchecken. Es ist unglaublich, im ersten Stock
gibt es eine super Abfertigungshalle, aber die ist leer. Alle Passagiere
werden unten durch ein paar schmale Räume geschleust. Also, das geht so:
Da ist eine schmale normale Türe, da müssen alle Passagiere durch, die Begleiter
müssen draussen bleiben. Zum Glück ergattere ich noch eins von diesen wenigen
russischen Formularen und Gena und ich füllen es zusammen aus. Wohlverstanden
es war 03.40 als wir am Flughafen ankamen.
Also, nach der Tür geht's so weiter: An der Tür
warten bis man an der Reihe ist (drängeln darf man nur als Kirgise), Zollkontrolle,
alles öffnen, der Laptop wir etwas belächelt (oder bestaunt ?). Jetzt zum
Check-In ca. 5m weiter. Anstehen, warten ..., Boarding Karte wird
ausgehändigt,
jawohl Fensterplatz, Nichtraucher, kein Problem. Der Koffer wird gerade
dahinter aus dem Fenster auf den Traktor gehoben. 5m weiter Passkontrolle,
auch kein Problem, scheinbar steht auf meinem russischen Zettel alles glaubhaft
an richtiger Stelle.
Geschafft - Abfertigungshalle. Nun, etwas klein geraten,
kein Platz für alle Passagiere zum Sitzen. Ich finde noch auf einem Heizungsrohr
eine Sitzgelegenheit. Es ist ca. 04.50 morgens, langsam wird es hell und
um 05.10 soll unsere Maschine wegfliegen. Vielleicht! Aber es kommen immer
noch Leute aus der Abfertigung und somit ... 06.00 : Nach einigem Hin und
Her können wir die Türkisch Airline Maschine (Airbus A310) besteigen und los
fliegen. Ein Crewmitglied muss nur noch schnell eine Verkleidung
über den Gepäckablagen mit Verbands-Kleber befestigen, dann kann's losgehen.
Jetzt sitze ich also hier in der Maschine, weiss nicht
ob ich Kaffee oder Bier trinken soll (ist es eigentlich Abend oder Morgen
?) und schreibe diese Geschichte zu Ende. Ich habe mich übrigens für Kaffee
entschieden, was habt ihr den gedacht ?
Falls nichts mehr dramatisches passiert - ist hier das
Ende. (Ansonsten werdet ihr es als Erste erfahren).
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EIN SCHLUSSWORT!
Ist Kirgistan eine Reise wert ? So wie ich hierher
gekommen bin : Ja, auf alle Fälle. Nur als Tourist bietet dieses Land wahrscheinlich
noch nicht genug, vor allem ist die ganze Infrastruktur noch sehr
dürftig.
Trotzdem, ich habe nur nette, hilfsbereite Leute kennen gelernt, die zudem
recht einfallsreich sind und auf keinen Fall arbeitsscheu. Ob ich wieder
herkomme ? KLAR !
René Müller
Ein Kirgistan Fan
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